Wie diese Texte entstehen
Editor’s Note:
Dieser Text entstand aus einem Feedback zu diesem Newsletter.
Es ging nicht um den Inhalt – sondern um die Frage, wie meine Texte eigentlich entstehen.
Die Frage hat mich getroffen. Und sie hat etwas Wesentliches berührt.
Deshalb habe ich mich entschieden, meine Haltung dazu hier festzuhalten.
Nach einer meiner letzten Mails kam ein Feedback.
„Das Format mutet ein wenig nach ChatGPT.“
„Die Idee hat bei mir Unbehagen ausgelöst, dass die Zeilen eventuell nicht von dir kommen.“
Das hat mich recht hart getroffen.
Erst war ich eingeschnappt.
All die Arbeit – und jetzt das. Weiß sie nicht, dass ich schon vor KI schreiben konnte?
Mit etwas Abstand wurde mir klar:
Sie ist vermutlich nicht die Einzige, die sich heute fragt, wie die Inhalte entstehen, denen sie Zeit, Aufmerksamkeit und Offenheit schenkt.
Und ich finde: Das ist eine wichtige Frage.
Deshalb möchte ich hier etwas transparent machen, was mir wichtig ist.
Weniger als reine Rechtfertigung (ein bisschen schon), sondern aus Respekt.
Wie meine Texte entstehen
An einem Text von etwa 700–800 Worten sitze ich im Schnitt rund zwölf Stunden, verteilt über mehrere Tage. Manchmal auch deutlich länger. Und es kommt vor, dass ich beim Hochladen merke:
Nein. Das geht doch nicht raus.
Dann landet der Text erst einmal in meiner digitalen Schublade.
Vielleicht ist dir aufgefallen: Meine Texte erscheinen ohne festen Rhythmus. Wenn kein innerer Impuls da ist, schreibe ich nicht – was zu lebhaften Diskussionen mit meinem letzten Marketing-Berater führte. Und letztlich zu seiner Resignation.
Und was ich niemals machen werde:
Texte von einer KI kreieren lassen – nicht einmal die Idee.
Für mich ist das keine technische Frage, sondern eine Haltung.
Nutze ich KI? Ja.
Wenn ein Text für mich zu etwa 85 % steht, gebe ich ihn an ein Sprachmodell weiter – als Lektor.
Danach folgen meist mehrere Feedback-Runden.
Ich nutze KI für:
klareren Lesefluss
aktivere, einfachere Sätze
Kürzen von Redundanzen
Aufzeigen von Inkonsistenzen
Rechtschreibung und Grammatik
Kurz gesagt: Sie hilft mir, mich nicht in meine eigenen Formulierungen zu verlieben.
Nicht in Pathos oder philosophische Abhandlungen abzudriften – was ich durchaus kann.
Warum mir das persönlich wichtig ist
Vielleicht bin ich ein analoger Spieler in einer digitalen Welt.
Aber wenn wir über menschliche Themen und innere Prozesse sprechen, liegt mir am Herzen, dass die Worte durch ein menschliches System hindurchgegangen sind.
Dass jemand mit einer Idee saß und innerlich geforscht hat, wie sie sich entwickeln will.
Ich möchte wissen:
Sind echte Lebenserfahrungen eingeflossen?
Hat jemand Zeit, Energie und Aufmerksamkeit investiert?
Oder wurde etwas lediglich korrekt zusammengesetzt?
Denn für mich geht es am Ende nicht darum, perfekte Worte zu bauen, sondern einen lebendigen Impuls aus dem Herzen zu vermitteln.
Und ja – es geht dabei auch um Verantwortung und Autorität.
Verantwortung dafür, dass das Geschriebene den Resonanztest des eigenen Bauchgefühls bestanden hat.
Autorität, weil ich glaube, dass nur Menschen wirklich vom Menschsein berichten können.
Als Beifahrer ist KI sehr hilfreich.
Im Fahrersitz hat sie keinen Platz.
Und ja – die Versuchung ist manchmal groß, sie ans Steuer zu lassen.
Das war mir wichtig, festzuhalten.